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26.01.2012
Leipziger Allerlei - von Henrik Hofmann

Portrait Henryk HoffmannLiebe Kollegen,Vetsäule

 

der diesjährige Leipziger Tierärztekongress war eine Tagung der Superlative. Für viele lastete allerdings die Angst um unser Dispensierrecht wie ein dunkler Schatten über der Veranstaltung. Doch das war nicht das einzige Thema, das nachdenklich stimmte.
Mit 4100 Fachbesuchern und 350 Referenten war der 6. Leipziger Tierärztekongress der europaweit erfolgreichste Fortbildungsveranstaltung für Veterinäre. Ein plus an Teilnehmern gegenüber 2010 von zwanzig Prozent! Grund dafür war die unglaubliche Vielfalt und Qualität der gebotenen Themen – vorgetragen von 350 Referenten aus dem In- und Ausland.
Etliche Kollegen nutzten die Gelegenheit, um sich auf ihrem Spezialgebiet fortzubilden, genossen es, Kommilitonen wieder zu sehen oder wollten mal in andere Gebiete hineinschnuppern. So traf man Praktiker neben Amtstierärzten, (Berufs-) Politiker neben Industrievertretern, Lobbyisten neben Hochschulleuten. Zwar widmete sich die Auftaktveranstaltung der Frage, ob „die Rassezucht unsere Hunde und Katzen krank macht?“, für viele Kollegen schwelte allerdings die tagesaktuelle Lage im Hintergrund: Werden wir das Dispensierrecht nun (endlich) verlieren? Vertreter des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte betonen, dass es „noch nie so ernst gewesen sei“, zumindest Einschränkungen werde es geben. Praktiker planen Unterschriftenaktionen. Erste Zahlen gingen um, man sprach von 30 Prozent der Tierärzte, die ihre Lebensgrundlage verlieren würden! Großtierpraktiker aus den östlichen Bundesländern machten ihrem Frust über die gegenwärtige Situation dabei Luft, die ohnehin schon schlimm genug sei: „Die Betreiber von ,VEBs*’ besuchen die umliegenden Tierärzte, fragen sie ganz offen nach ihrem Preis, unterbieten den billigsten dann noch – und finden am Ende einen, der für tausend Euro im Monat ihnen die Arbeit macht!“ Die von BTK-Präsident Prof. Theo Mantel für den Frühsommer in Aussicht gestellte GOT-Anpassung, konnte vor diesem Hintergrund manchen Kollegen nur ein müdes Lächeln entlocken....
Gleichzeitig fand eine Diskussion über Assistentengehälter statt. Eine Kollegin berichtete etwa, dass sie für eine 40-Stunden-Woche bezahlt würde – „drei Nachtdienste die Woche und drei Wochenenddienste im Monat werden aber als Inklusivleistung erwartet“. bpt-Präsident Dr. Hans-Joachim Götz konnte das bestätigen: „Uns sind Gehälter bekannt, die nicht mal mehr mit Sklaverei zu rechtfertigen wären“, meinte er. Und das, obwohl es seit 2011 Empfehlungen von 17 Kammern zu Arbeitsverhältnissen gibt!  Die Tierärztin ärgert sich: „Wir sind nicht nur Tierstreichlerinnen, nein, wir können was! Und das muss doch gewertschätzt werden!“ Götz konnte in diesem Zusammenhang verkünden, dass man sich nun auf Tarifempfehlungen geeinigt habe: „Anfänger sollten im ersten halben Jahr 2200 Euro brutto bekommen, danach 2600 Euro. Es folgen jährlich Steigerungen über vier Jahre. Für das anschließende Arbeitsverhältnis gibt es zwei Modelle: Ein Sockelgehalt von 3000 Euro plus Gewinnbeteiligung oder aber eine Stundenvergütung.“ Glaubt man Kammerpräsidenten, Assistenten, Arbeitgebern und Standesvertretern, wird Götz damit auf wenig Zustimmung unter den Praxisinhabern stoßen.
Zählt man nun eins und eins zusammen – in diesem Fall also eingeschränktes Dispensierrecht plus selbstmörderische GOT-Unterschreitungen plus „angemessene Assistentengehälter – ja, was bleibt dann übrig?
Schauen wir mal über den Tellerrand, lernen wir, dass es auch anders geht. Den Energieversorgern werden illegale Preisabsprachen vorgeworfen, den Bankern wird Habgier bescheinigt. Die Geflügelfleischproduzenten kämpfen mit Geschlossenheit und Chorgeist, die Fleischindustrie geht über Leichen. Und die Tierärzte? Sie arbeiten an einem neuen betriebswirtschaftlichen System: Den „retrograden Preisabsprachen“.
Von dieser wunderbaren Tagung habe ich vieles mit nach Hause genommen: Viel frisch erworbenes Fachwissen. Selbstzufriedenheit, meine Mitarbeiter anständig zu entlohnen. Dankbarkeit für mein Praxisprogramm, das völlig skrupellos den 1,2-fachen Satz der GOT nimmt. Und das Bewusstsein, dass uns nur eines retten kann: Kollegialität und angemessene Bezahlung. Dass einzig korrektes Abrechnen und das Rückrat jedes einzelnen gefordert sind, scheint mir zwingend.
Die „Bösen“ sind immer die anderen.

 

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